Während in vielen Ländern neue Spannungen wachsen, während Sprache zur Waffe und Information zur Währung wird, spüren viele: Etwas liegt in der Luft. Viele spüren es, auch wenn es nur wenige direkt aussprechen. Ein Druck. Eine Erschöpfung. Eine merkwürdige Mischung aus Reizüberflutung und Orientierungslosigkeit. Manche versuchen, mit Informationen gegenzusteuern – mit Analyse, mit Deutung, mit Kontrolle.
Dies ist kein politischer Artikel. Es ist keine Analyse. Vielmehr ist es eine Einladung, Balsam zu sein – für jene Seelen, die sich im Dickicht der Gedanken und Ängste verstrickt haben. Im unmöglichen Unterfangen, alles zu verstehen, zu politisieren und zu glauben, damit die Welt zu verbessern. Wenn in der Welt alles lauter wird, hilft oft nur eines: leise werden. Nicht im Sinne von Rückzug, sondern im Sinne von Erinnerung. Denn was nützt es, die Welt scheinbar zu verstehen, wenn wir uns selbst dabei verlieren?
Anders ausgedrückt: Du meinst zu verstehen und opferst deinen Frieden für eine Scheinrealität.
Es ist nicht wahr, nur weil du es gedacht hast.
1. Erdung im Alltag
Es beginnt oft unscheinbar: Du gehst einkaufen und spürst die Gereiztheit. Du sprichst mit Nachbarn und merkst die Anspannung. Du liest ein paar Schlagzeilen und spürst, wie dein Herz schneller schlägt. Viele Menschen tragen derzeit ein dumpfes Unbehagen mit sich herum. Etwas stimmt nicht – das spüren viele. Nichts ist, wie es scheint. Und weil es so viele nicht benennen können, wird es verdrängt oder projiziert.
Du musst nicht alles verstehen, um bei dir zu bleiben.
Doch du kannst dich erinnern: An das, was wirklich ist. An das, was bleibt, wenn Worte aufhören und deine Gedanken darüber zerfallen. Du kannst deinen Tee bewusster trinken. Deine Haut in der Sonne spüren. Barfuß gehen. Im Garten ein Blatt berühren, ohne es zu pflücken.
Erdung beginnt nicht mit Erklärung. Sie beginnt mit Wahrnehmung.
Aus unserem Leben: Wir beide leben dies jeden Tag in Elysium. Doch das war nicht immer so: Auch wir mussten eine Entziehungskur von der Informationsgewinnung machen. Alles schien wichtig – Vorbereitung durch vermeintliches Verstehen. Kontrolle durch Gedanken.
Genau diese Mechanismen entfernen den Menschen von sich selbst, von der Natur, von der Natur des puren Seins. Und genau hier liegt der Schlüssel: ruhig werden, beobachten und das, was außerhalb meines Wirkungsbereichs liegt, ziehen zu lassen.
Das bedeutet jedoch nicht, die Augen vor der Welt zu verschließen. Es geht nicht darum, den Kopf in den Sand zu stecken und so zu tun, als wäre alles gut. Im Gegenteil: Wer bei sich bleibt, kann wieder klarer sehen – und im eigenen Umkreis wirklich wirksam sein. Ob durch Unterstützung für andere, durch das Halten eines Raumes der Wahrheit oder durch ganz praktische Hilfe – es gibt immer eine Form von sinnvollem Tätigwerden. Und manchmal bedeutet dieses Tätigwerden auch, eine Entscheidung zu treffen.
Wenn du spürst, dass das Land, in dem du lebst, zunehmend Kontrolle über das Leben der Menschen gewinnt, dass Freiheit schwindet und Wahrheit unterdrückt wird – dann kann es heilsam sein, Konsequenzen zu ziehen. Nicht aus Angst, sondern aus Liebe zum Menschsein. Es ist kein Rückzug, sondern ein Schritt in Richtung Kohärenz – also in jene Übereinstimmung zwischen dem, was du fühlst, und dem, wie du lebst. Ein Leben, das nicht mehr lügen muss. Nicht vor anderen – und nicht vor dir selbst.
Manchmal beginnt echte Veränderung nicht mit einem Protest – sondern mit der Entscheidung, nicht gegen etwas zu leben, sondern für das, was wahr ist.
2. Der Krieg im Inneren
Was sich im Außen zusammenbraut, hat oft seine Entsprechung im Inneren. Spaltung ist kein Zustand – sondern ein Muster. Ein Muster, das beginnt, wenn wir das Gegenüber nicht mehr als Mensch sehen. Wenn wir überzeugen wollen, statt das Gegenüber wahrzunehmen. Wenn wir Recht haben wollen, statt in Beziehung zu bleiben.
Der Krieg da draußen wird möglich, weil so viele von uns innerlich schon lange kämpfen. Gegen sich selbst. Gegen die Vergangenheit. Gegen das, was nicht kontrollierbar ist.
Doch was, wenn wir den inneren Waffenstillstand erklären? Nicht als Resignation, sondern als Übergang – als Übergang von Kampf zu Klarheit, vom inneren Zerren zum Lauschen, von der ständigen Selbstoptimierung hin zur Selbstannahme.
Ein Übergang ist keine Flucht. Es ist der Moment, in dem wir erkennen: Der Krieg in uns war nie die Lösung – sondern ein Ruf nach Verbindung. Ein Ausdruck der tiefen Sehnsucht, wieder Teil von etwas Ganzem zu sein. Oft kämpfen wir, weil wir uns abgetrennt fühlen – vom Leben, von anderen, von uns selbst. Doch der Weg zurück beginnt nicht mit einem neuen Argument, sondern mit dem Erlauben, weich zu werden. Ein kleiner Waffenstillstand im Inneren – das könnte der Anfang von Heimkehr sein.
Nicht Rückzug. Nicht Aufgeben. Sondern Heimkehr.
Ein Moment aus Portugal: Kürzlich waren wir zu einer portugiesischen Geburtstagsfeier eingeladen. Es war berührend zu sehen, wie liebevoll Menschen hier miteinander umgehen. Viele haben sich „die einfache Sicht“ auf das Leben erhalten. Ihr Mantra scheint zu sein:
Ich lebe in Fülle, ich lebe die Fülle – und diese teile ich mit großer Freude mit dir.
Agenden? Tausende Gedanken? – Hier außen vor. Es ist näher am Leben, am Echten, an dem, was wirklich hier ist.
3. Die große Perspektive
Inmitten eines stürmischen Weltgeschehens, in dem Manipulation, Angst und Machtspiele das kollektive Bewusstsein zu umklammern scheinen, gibt es diejenigen, die nicht mehr Teil dieses Spiels sind. Sie haben sich von der Illusion des Kampfes gelöst, nicht aus Verdrängung, sondern aus einer tiefen inneren Klarheit heraus. Sie wissen: Wahre Freiheit ist nicht ein äußeres Konzept, sondern ein innerer Zustand.
Der Sturm mag toben, doch derjenige, der erkennt, dass er nicht die Wellen ist, sondern das Meer, bleibt unberührt. Er sieht das Aufbrausen der Winde, er nimmt die aufgewühlten Wassermassen wahr – doch er ist das stille Zentrum, das alles trägt.
In einer Zeit, in der viele sich fragen, wie sie sich vorbereiten sollen, ist die Antwort nicht nur in Vorräten oder Schutzmechanismen zu finden. Die wahre Vorbereitung liegt in der Schärfung des Bewusstseins, in der Loslösung von den Fesseln der Angst. Es ist nicht Widerstand, sondern eine stille, unerschütterliche Kraft, die nicht mehr manipulierbar ist.
Diejenigen, die den Schleier durchschauen, beginnen zu erkennen, dass jede äußere Bewegung nur ein Spiegel innerer Prozesse ist. Wenn Systeme zerfallen, wenn alte Strukturen einstürzen, dann nicht, weil Chaos siegt, sondern weil etwas Neues Raum braucht, um geboren zu werden. Die Frage ist nicht, ob ein Sturm kommt – sondern ob man sich selbst darin verliert oder inmitten dessen in Klarheit steht.
Die wahre Revolution geschieht nicht auf den Straßen oder in den Parlamenten. Sie geschieht in jedem, der sich daran erinnert, wer er wirklich ist: Bewusstsein, unberührt von den Wellen der Zeit. Die Welt mag brennen, doch der, der im reinen Sehen verweilt, wird zum Funken einer neuen Wirklichkeit.
Und wenn du dich jetzt noch immer fragst:
„Matthias, alles verändert sich zum Negativen. Große Umwälzungen werden geschehen.“
Dann sage ich: Ja, das mag sein. Doch die zentrale Frage ist:
Was bleibt, wenn Systeme fallen?
Was bleibt, wenn Strukturen sich auflösen oder verhärten, ethische Begriffe ihre Bedeutung verlieren und Sicherheiten sich als Illusion erweisen?
Dann bleibt:
- Das Lied eines Vogels im Morgenlicht.
- Der Olivenbaum, der weiterwächst.
- Das Brot, das du mit Liebe teilst.
- Der Blick, den du nicht abwendest.
- Die liebevollen Beziehungen, die du ehrlichen Herzens lebst.
- Die ehrliche Hilfe, die du gerne angeboten hast.

Denn was in Momenten der Krise als einziges Bestand in deinem Leben hat, ist Wahrheit. Nicht als Meinung – sondern als gelebte Gegenwart.
Du siehst: Wir sind nicht hier, um Antworten auf Krisen zu geben. Wir sind hier, um dich zu erinnern. Daran, dass du getragen bist. Dass dein Menschsein ein heiliger Ort ist. Dass die Welt nicht dich braucht, der etwas tut – sondern dich, der etwas ist.
Du bist nicht allein.
Und du musst diesen Sturm nicht durchstehen, um wertvoll zu sein. Du darfst einfach: nicht vergessen. Dich. Das Wesentliche. Und die Kunst, im Sturm still zu werden – um wieder zu spüren, was wahr ist und nicht nur gedacht.
Sandra, Matthias und Oríon
Ps. Wenn dein Herz von diesem Beitrag berührt wird und du einen Themenvorschlag für uns hast: Stelle deine Frage. Vielleicht wird sie zur nächsten Erinnerung.
Oder du trittst ein, in jenes Gespräch, das nicht beginnt, weil du buchst, sondern weil du gerufen wirst:
🕊️ Das Rufgespräch.
Ich bin Matthias – nicht als Autor, sondern als Hüter in Elysium.
Willkommen im Tor.


